Faktenbuch Medizinische Rehabilitation 2011
19. April 2011Am 15. April wurde in Berlin das "Faktenbuch Medizinische Rehabilitation 2011" vorgestellt, das erstmals in dieser Form vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) Essen erarbeitet und von der Arbeitsgemeinschaft Medizinische Rehabilitation (AG MedReha) in Auftrag gegeben wurde. Die umfangreiche Faktensammlung soll die Zusammenhänge und die Bedeutung des Reha-Sektors für die Fachöffentlichkeit ebenso wie für die Politik und alle Interessierten verständlicher und überschaubarer machen.
Jährlich werden rund zwei Mio. Menschen innerhalb medizinischer Rehamaßnahmen behandelt. Dabei wird ein Umsatzvolumen von acht Mrd. Euro jährlich erreicht. Weiterhin wird erreicht, dass 60% aller Patienten im erwerbsfähigen Alter in den ersten fünf Jahren nach einer Reha ihren Beruf weiter ausüben können. Außerdem bleiben durch Rehabilitation jährlich über 150.000 Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt erhalten, die ohne eine Rehamaßnahme krankheitsbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden müssten. Das RWI hat diese und viele weitere detailierte Einzelheiten über die Wirkung medizinischer Rehabilitation im Auftrag der AG MedReha in dem Faktenbuch aufgezeigt und dafür zahllose Studien, Statistiken und Veröffentlichungen aus den zurückliegenden beiden Dekaden gesammelt.
Die Daten wurden jedoch nicht nur zusammengetragen, sondern auch nach wissenschaftlichen Kriterien sortiert, interpretiert und erforscht. Dies war erforderlich, um daraus Ergebnisse für die gegenwärtigen und zukünftigen Rahmenbedingungen der medizinischen Rehabilitation entwickeln zu können. Ein Beispiel hierfür ist das gegenwärtige gesellschaftspolitische Thema "Rente mit 67", welche eng mit der Rehabilitation zusammenhängt. Denn nur diejenigen, die bis dahin gesund -also erwerbsfähig- bleiben, können später in den Ruhestand gehen. Dieses Ziel bleibt jedoch ohne medizinische Rehabilitation für einen großen Teil der Bevölkerung unerreicht, wie verschiedene Studien im Faktenbuch dokumentieren. Auch bei der Vermeidung der Pflegebedürftigkeit hat die medizinische Rehabilitation eine vergleichbar wichtige Wirkung. Untersuchungen belegen, dass durch medizinische Rehabilitation die Pflegebedürftigkeit hinausgeschoben oder sogar vermieden werden kann, was entlastend auf die Pflegekassen wirkt. Das Faktenbuch belegt, dass die Entwicklung dieser wichtigen Effekte der Rehabilitation durch unterschiedliche Umstände wie verbesserungswürdige gesetzliche Rahmenbedingungen, Budgeteinschränkungen, bürokratische Hindernisse und die mangelhafte Vernetzung der Versorgungssektoren unnötig gebremst wird.
Gemäß des RWI und der AG MedReha ist das Ziel des Faktenbuches, die richtigen Weichen zu stellen. Sie wünschen sich daher, dass das Faktenbuch nicht nur bei den Sozialleistungsträgern und in den eigenen Reihen der Leistungserbringer zur Pflichtlektüre wird, sondern auch bei den verantwortlichen Gesundheits- und Sozialpolitikern. Insbesondere für das derzeit in Vorbereitung befindliche Versorgungsgesetz enthält das Faktenbuch viele plausible Ansätze und Vorschläge. Ferner belegen und bestärken die gesammelten Fakten bereits vorhandene Reformvorschläge, die von den in der AG MedReha vertretenen Verbänden vorgelegt wurden. Es wurde zum Beispiel die Forderung, dem vorhandenen und gesetzlich verankerten Grundsatz "Reha vor Pflege" eine höhere Bedeutung zuzumessen, eindeutig bewiesen. Das Gleiche betrifft den Standpunkt der Verbände, dass die Budgetierungen der Reha-Ausgaben in der Gesetzlichen Rentenversicherung eingestellt oder mindestens an den erhöhten Bedarf angeglichen werden sollten. Um eine Chronifizierung zu verhindern, sollte außerdem gefördert werden, dass eine erforderliche medizinische Rehabilitation frühzeitig in Anspruch genommen wird. Ein wesentliches Ergebnis des Faktenbuches ist, dass die nachhaltige Rehabilitation letzten Endes dazu beiträgt, gesamtgesellschaftliche Kosten zu reduzieren.
In der Anlage ist das Faktenbuch als PDF-Datei beigefügt. Die gedruckte Ausgabe kann bei der AG MedReha angefordert werden.
Kontakt/weitere Informationen:
Antonia Walch
Arbeitsgemeinschaft Medizinische Rehabilitation SGB IX GbR
Friedrichstrasse 60
10117 Berlin
Tel: 030-240089-0
Fax: 030-240089-30





