Allergien frühzeitig vorbeugen und behandeln

Immer mehr Menschen leiden unter Allergien. Jeder Vierte in Deutschland ist davon betroffen. Die Tendenz ist auch bei Kindern steigend. Es gibt Risikofaktoren, die eine Allergie begünstigen. Manche Risiken lassen sich vermeiden.

Martin sitzt am Gartentisch, macht seine Hausaufgaben und genießt den warmen Frühlingstag. Noch vor drei Jahren hätte sich der heute 13-Jährige auch bei schönstem Wetter lieber in seinem Zimmer verkrochen. „Wahrscheinlich hätte ich mit Triefnase, einem Waschlappen über den Augen und einem Stapel Papiertaschentüchern im Bett gelegen“, sagt Martin.

Seine Beschwerden verursacht ein Heuschnupfen. Er gehört wie Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien, allergische Kontaktekzeme und allergisches Asthma zur Gruppe der Allergien. Allen gemeinsam ist eine übermäßige Abwehrreaktion des Körpers auf bestimmte, normalerweise harmlose Stoffe. Wer an einer Allergie leidet, ist in seiner Lebensqualität meist erheblich eingeschränkt.

Da neben angeborenen Risikofaktoren auch Umwelteinflüsse bei der Entstehung von Allergien eine Rolle spielen, lohnt es sich so früh wie möglich einer Allergieentstehung entgegenzuwirken.

Stillen schützt den Säugling vor Allergien

Schon in den 1930er Jahren beobachteten Wissenschaftler, dass bei Säuglingen, die mit Kuhmilch ernährt wurden, siebenmal häufiger ein Hautekzem auftrat als bei solchen, die von ihren Müttern gestillt wurden. Da sich diese Beobachtung in weiteren Studien bestätigte, empfehlen Kinderärzte auch heute noch mindestens vier bis sechs Monate zu stillen. „Muttermilch ist perfekt an die Bedürfnisse des Säuglings angepasst – sie enthält in idealer Zusammensetzung alles, was das Kind zum Wachsen und Gedeihen braucht“, erklärte Dr. Ulrich Fegeler, Sprecher der Kinder- und Jugendärzte, zum Weltstilltag am 28. September 2009.

Vor allem Kinder mit hohem Allergierisiko schützt Stillen vor späteren Allergien. Während bei Kindern gesunder Eltern das Allergierisiko im Bereich von rund fünf bis 15 Prozent liegt, erhöht es sich auf 20 bis 40 Prozent, wenn ein Elternteil von einer Allergie betroffen ist. Sind beide Eltern Allergiker, liegt das Erkrankungsrisiko für deren Kinder zwischen 60 und 80 Prozent.

Ist es nicht möglich, ein Baby ausreichend zu stillen, gibt es wenig Alternativen. Säuglingsnahrung auf Basis von Soja oder Mandeln ist nicht nur teuer, sondern scheint ebenfalls Allergien zu begünstigen. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Klinische Immunologie empfiehlt die so genannte extensive hydrolisierte Babynahrung, die aus Molke und dem Milcheiweiß Kasein hergestellt wird.

Die Umwelt von Keimen befreien

Säuglinge und Kleinkinder sind vor allem Reizstoffen in Innenräumen ausgesetzt, da sie 90 Prozent des Tages in geschlossenen Räumen verbringen. In Matratzen lauernde Hausstaubmilben sind meist die ersten Allergene, mit denen Neugeborene in Kontakt kommen. Spezielle Milbenschutzbezüge für Matratzen scheinen das Allergierisiko zu senken. 2004 wurden zwölf solcher „Encasings“ von Stiftung Warentest getestet, vier erhielten das Urteil sehr gut. Sie hatten das TÜV-Siegel „Für Allergiker geeignet“ und waren frei von Schadstoffen.

Auch Haustiere fördern die Allergieentwicklung. Bei erhöhtem Allergierisiko oder spätestens wenn sich erste Symptome zeigen, sollten Eltern überlegen, dem Tier ein anderes schönes Zuhause zu suchen. Weil Zigarettenrauch ebenfalls Allergien begünstigt, empfiehlt es sich, das Rauchen zumindest in den eigenen vier Wänden aufzugeben.

Für Kinder, die trotzdem eine Allergie entwickeln, stehen eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Martin war als Achtjähriger in einer Rehabilitations-Einrichtung, die sich auf Allergien spezialisiert hat. Dort lernte er viel über die Erkrankung, bekam einen an seine Beschwerden angepassten Behandlungsplan und nützliche Verhaltenstipps. Zudem begann er auf Anraten der Ärztin in der Rehabilitation eine spezifische Immuntherapie. Dabei wurde ihm der Allergie auslösende Stoff in geringer Menge unter die Haut gespritzt – während dieser Behandlung hat sein Immunsystem „gelernt“, auf den Allergieauslöser normal zu reagieren. „Manchmal ist meine Nase immer noch verstopft und juckt ganz fürchterlich, aber viel seltener und auch nicht so schlimm wie früher.“

Häufigkeit allergischer Erkrankungen bei Kindern

0-6 Jahre7-10 Jahre11-17 Jahre
Heuschnupfen3,2 %10,5 %16,8 %
Neurodermitis11,5 % 15,1 %13,6 %
Asthma 1,9 %4,7 %7,0 %
Allergisches Kontaktekzem4,4 %10,3 %14,3 %

Quelle: Robert Koch-Institut: Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 2008

Was ist dran am Reizklima

Reizklima kommt vor allem den Atmungsorganen und der Haut zugute, es fördert die Durchblutung und stärkt die Abwehrkräfte. Unbestritten fühlen sich auch kleine Allergiker und Neurodermitiker während einer solchen Klimakur gesund und wohl.

Dennoch haben selbst Experten Schwierigkeiten zu erklären, was genau die Wirkung des Reizklimas ausmacht. Mehrere Gründe scheinen zusammen zu wirken:

  • Klare Luft: Durch den Seewind fliegen an der Küste im Vergleich zum Binnenland im Schnitt nur ein Zehntel allergieauslösender Pollen durch die Luft.
  • Wind: Er enthält feine kleine Wassertröpfchen mit Salzpartikeln, Spurenelementen und anderen Stoffen aus dem Meerwasser. Sie tun den Atemwegen und der Haut gut.
  • Sonne: Sie erhöht die Vitamin D-Produktion und stärkt damit unter anderem das Immunsystem. Allerdings sollte man einen Sonnenbrand unbedingt vermeiden!

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