Leitlinien für Kinder- und Jugend Reha

In Deutschland gibt es bisher keine einheitlichen Standards für die Rehabilitation chronisch kranker Kinder. Leitlinien helfen, die Qualität der Betreuung zu verbessern.

Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche unterscheiden sich grundlegend von Reha-Maßnahmen für Erwachsene. Bei Kindern steht die Bindung zu den Eltern, zu Geschwistern und Freunden im Vordergrund: Zum Beispiel fällt ihnen eine Anpassung an eine neue Umgebung meist schwerer als Erwachsenen. Daher erhalten die jungen Patientinnen und Patienten in den Einrichtungen neben der medizinischen vor allem eine pädagogische Betreuung – manchmal wird auch ein Elternteil als Bindeglied und „Ko-Therapeut“ mit aufgenommen.

Die Fachgesellschaft Rehabilitation in der Kinder- und Jugendmedizin hat für die häufigsten chronischen Erkrankungen Leitlinien für die medizinische Kinder-Rehabilitation erstellt. Sie enthalten neben Behandlungsempfehlungen auch Nachsorgekonzepte.

Für wen Reha und wie lange?

Ab dem dritten Lebensjahr können Kinder eine Rehabilitation in Anspruch nehmen – meist stationär, in manchen Regionen auch ambulant. Voraussetzung ist ein ärztlicher Befund, der eine solche Maßnahme für sinnvoll erachtet. Zudem muss gewährleistet sein, dass das Kind oder der Jugendliche auch geistig und emotional fähig ist, an den geplanten Maßnahmen teilzunehmen.

Die Entscheidung, ob eine ambulante oder stationäre Reha sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob es im Umkreis des Wohnortes genügend Angebote gibt und ob mit diesen die festgelegten Behandlungsziele erreicht werden können. Manchmal ist die örtliche Trennung vom häuslichen Umfeld ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Vorteile der ambulanten Reha

  • Längerfristige Begleitung
  • Kontinuierliche Lern- und Trainingseffekte
  • Bessere Einbeziehung der Alltagssituation
  • Stärkere Einbeziehung von Eltern und Geschwistern
  • Vernetzung mit anderen örtlichen Versorgungsprogramme

Vorteile der stationären Reha

  • Deutliche Trennung vom häuslichen Umfeld
  • Intensive Betreuung, Therapie dauernd möglich
  • Therapieeffekt der Gruppe
  • Klimaänderung (z.  B. bei Allergien, Asthma)

Meist ist es sinnvoll, dass Arzt, Eltern und das Kind gemeinsam über den Antrag auf stationäre Rehabilitation sprechen. Weiß das Kind von Anfang an über die Reha Bescheid, fällt ihm die aktive Teilnahme an der Reha leichter.

Die Dauer einer Reha für Kinder richtet sich nach mehreren Faktoren. Neben den gesetzlichen Vorgaben spielen Schwere und Art der Erkrankung sowie das Alter und der Entwicklungsstand des Kindes eine entscheidende Rolle.

Meist werden stationäre Maßnahmen beim ersten Mal für vier bis sechs Wochen genehmigt. Wiederholungsaufenthalte können kürzer sein.

Eine ambulante oder stationäre Reha oder eine stationäre Vorsorgeleistung lässt sich vier Jahre nach der letzten durchgeführten Maßnahme wieder beantragen, es sei denn sie ist aus gesundheitlichen Gründen dringend früher nötig. Für ambulante Vorsorgeleistungen gilt ein Wiederholungsintervall von drei Jahren.

Besonderheiten

Kinder-Reha-Einrichtungen müssen sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen einstellen. Angefangen bei der Raumgestaltung über Freizeitangebote bis zur schulischen Ausbildung. Bei älteren Jugendlichen können zusätzlich berufshinführende Maßnahmen sinnvoll sein.

Zur besseren Eingewöhnung und Integration bieten die meisten Einrichtungen den Kindern eine von Anfang an stabile Gruppenzugehörigkeit mit Gleichaltrigen.

Da die stationäre Reha nur einen Teil der Betreuung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher ausmacht, besteht eine enge Zusammenarbeit – eine so genannte Rehabilitationskette – zwischen den Reha-Einrichtungen, den ambulanten Behandlern und den Kostenträger.

Häufigste Indikationen für eine Kinder-Reha

  • Atemwegserkrankungen (Asthma, chronische Bronchitis)
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Entwicklungsstörungen
  • Übergewicht
  • Neurodermitis

Der Begriff medizinische Leitlinie ist nicht geschützt. Das heißt, jeder kann eine Leitlinie herausgeben und darin schreiben was er will – die Idee ist gerade in einem sensiblen Bereich wie der Medizin beunruhigend. Doch die Spreu lässt sich durchaus vom Weizen trennen. Ist eine Leitlinie „evidenzbasiert“, spricht das für die Qualität der Leitlinie. Den Behandlungsempfehlungen liegen genau ausgewertete wissenschaftliche Daten zugrunde. Diese Methode stellt sicher, dass nur Therapien empfohlen werden, die ihren Nutzen in Studien unter Beweis gestellt haben.

Grundprinzipien der Kinder-Reha

  • Verständnis für den Umgang mit der Erkrankung fördern
  • Krankheitsbezogene Eltern-Kind-Interaktionen verbessern
  • Autonomie des Kindes stärken
  • Stressbewältigung unterstützen
  • Soziale Kompetenzen erlernen und festigen

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