Mehr Chancen für gesundes Aufwachsen

Kinder sind Zukunft. Doch damit sie ihr Leben aktiv und im Rahmen der bestehenden Normen gestalten können, brauchen sie Unterstützung. Eltern, Bildungseinrichtungen und das Gesundheitswesen sind wichtige Wegbegleiter.

Ihr ‚Startkapital’ bekommen Kinder in die Wiege gelegt, doch was daraus wird unterliegt vielen Einflüssen. Nicht nur Eltern tragen dabei Verantwortung, sondern die gesamte Gesellschaft eines Landes.

Familien brauchen finanzielle Sicherheit

Jährlich werden in Deutschland rund 700.000 Kinder geboren, die meisten von ihnen erfreuen sich bei Geburt bester Gesundheit. Allerdings wächst jedes fünfte Kind in sozial schwachen, psychisch belastenden oder schlechten finanziellen Verhältnissen auf. Fühlen sich Eltern in ihrer Existenz bedroht, haben sie meist weder Kraft noch die Fähigkeit ihren Kindern ein gesundheitsbewusstes Leben vorzuleben und weiterzugeben. Wer in einem sozialschwachen Umfeld aufwächst, wird weder sich noch seine Nachkommen vor vermeidbaren Gesundheitsrisiken schützen können – ein Teufelskreis.

Arme Kinder leiden oft unter Stress und geringem Selbstbewusstsein und nutzen beispielsweise Sport zu selten als Ausgleich für Belastungen. Armut bei Kindern und Jugendlichen hat auch auf diesem Weg direkte Auswirkungen auf die Gesundheit –und hängt eng mit den Chancen der Kinder und Jugendlichen im späteren Leben zusammen. „Hier ist die Bundesregierung aufgefordert, mit einem umfassenden Ansatz und einem Nationalen Aktionsplan gegen Kinderarmut Abhilfe zu schaffen“ forderte Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, im Februar anlässlich der Debatte des Deutschen Bundestag über Hartz IV.

Altersgemäße Förderung

Kinder durchlaufen bis zum Erwachsenwerden viele Entwicklungsstufen. In jedem Lebensabschnitt lernen sie bestimmte Fähigkeiten. Wie gut sie diese entwickeln, hängt von ihrem Umfeld ab. Eine Dreijährige mit der niemand redet, lernt deutlich schlechter Sprechen, als ein Kind, das ausreichend Gesprächspartner hat. Kinder mit Eltern, die kein Deutsch sprechen, haben es viel schwerer sich auszudrücken und später in der Schule dem Lernstoff zu folgen.

Zwar hat die deutsche Politik in den letzten Jahren eine Reihe von Programmen für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen, die sich mit der Vorbeugung von Krankheiten beschäftigen oder die Gesundheit fördern. Sie orientierten sich jedoch häufig kaum an den Bedürfnissen der Zielgruppen, außerdem seien sie finanziell unzureichend ausgestattet und ihre Qualität werde nicht überprüft, bemängelte der Sachverständigenrat für Gesundheit in seinem Sondergutachten 2009.

Im Schulalter steigt die gesundheitliche Belastung von Kindern deutlich an. Ernährungsprobleme, Übergewicht, Allergien sowie psychische Probleme treten bei Schulkindern immer häufiger auf. Nicht immer lassen sich die Beschwerden durch eine Beratung durch Psychologen und Erzieher oder Trainingsangebote ausreichend behandeln.

Entwicklungsstufen Heranwachsender

Alterwichtigste Entwicklungenwichtigste Einflussgrößen
unter 3 Jahre
  • Bindung
  • Autonomie
  • Unmittelbare Bezugspersonen (meist Eltern)
3.- 6. Lebensjahr
  • Sprechen
  • Bewegen
  • Achtsamkeit
  • Eltern
  • Bekanntenkreis
  • Kinder
6.-12. Lebensjahr
  • Aneignen
  • Gestalten
  • Beziehungen eingehen
  • Leistungsanspruch
  • Lern- und Erfahrungsräume (z. B. Verein, Schulklasse)
12.-18. Lebensjahr
  • Körpergefühl
  • Grenzen ausloten
  • Identität finden
  • Herausforderungen
  • Grenzen
  • Lern- und Erfahrungsräume
  • Freundeskreis

Quelle: Deutscher Bundestag: 13. Kinder- und Jugendbericht. Drucksache 16/12860, 2009

Rehabilitation fördert soziale Integration

Rehabilitation bei Kindern hat neben dem medizinischen Aspekt auch erzieherische Aufgaben. Rehabilitationseinrichtungen sehen es als eine Aufgabe, ihre jungen Patientinnen und Patienten nicht nur sicherer im Umgang mit ihrer Krankheit zu machen, sondern sie bei ihrer gesamten Lebensführung zu unterstützen – das bedeutet ihre Kompetenzen auszubauen sowie Selbstbestimmung und Selbstwertgefühl zu stärken.

Im 13. Kinder- und Jugendbericht fordert die interdisziplinäre Sachverständigenkommission die Bundesregierung auf, die Eigenständigkeit von Kindern und Jugendlichen stärker zu fördern. Dafür müssen alle Beteiligten zusammenarbeiten sowie Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitssystem (z. B. Krankenkassen, Kinderarztpraxen, stationäre Kindereinrichtungen) und Eingliederungshilfe besser vernetzt werden. Zudem sollten alle gesundheitsbezogenen Angebote für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche so leicht wie möglich zugänglich werden.

Hohes Risiko für Kinder bei Medikamenteneinnahme

Hohes Risiko für Kinder bei Medikamenteneinnahme Die Pharmazeutische Zeitung geht davon aus, dass jedes zweite Medikament, das Kinder im Jahr 2000 eingenommen haben, nur für Erwachsene zugelassen war. Doch Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihr Körper baut Arzneimittel ganz anders ab. Nicht zugelassene Medikamente können zu gefährlichen Nebenwirkungen führen. Auf diesen Missstand hat die Europäische Union reagiert und erließ eine Verordnung. Jetzt müssen Arzneimittelhersteller, wenn sie ein Medikament neu auf den Markt bringen wollen, dieses vorher auch bei Kindern testen.  


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